Fake - Bio-Viagra

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Die medizinische Sensation, die ein neues, pflanzliches Mittel gegen Potenzstörungen versprach, entpuppte sich als PR-Coup. Die Berliner Charité distanziert sich von den Behauptungen über Studien zur Neuentwicklung eines neuen Potenzmittels, das den Namen Plantagrar erhalten soll. In den Medien erschien ein Artikel, der besagt, dass das neue Mittel gänzlich ohne Nebenwirkungen – bis auf einen leichten Durchfall, der nur vereinzelt auftrat – auskommen würde. Nun sagen Experten, dass dies quasi nur eine Ente war. Der Studienautor ist nämlich kein Experte, sondern ein Medizinstudent, der nebenher auch als Pharma-Lobbyist arbeitet. Die vermeintliche medizinische Sensation machte weltweit die Runde. Sogar die Zeitung „Times of India“ berichtet über das Gemüse-Viagra, ein pflanzliches Potenzmittel, das bereits im Frühjahr 2010 auf den Markt kommen sollte. Allen Artikeln war ein Bild der Pille beigefügt, eine grüne „Viagra“, mit der Prägung „Plantagrar“. Auch das Bild ist ein Fake, denn es ist nichts anderes, als eine recht gut gelungene Fotomontage.

Allerdings waren die Artikel  nicht gänzlich aus der Luft gegriffen. Der Medizinstudent schreibt seine Doktorarbeit über das Bio-Potenzmittel und hat bereits einen Versuch durchgeführt. Besser gesagt, hat er bisher nur einen einzigen Versuch unternommen. Über weitere Versuche liegt nichts vor. Weder Ergebnisse, noch Berichte über den Beginn eines zweiten, oder weiteren Versuchs. Trotz fehlenden Studienergebnissen ist der Medizinstudent von Plantagrar überzeugt und preist ihn in den höchsten Tönen. Da es hierbei nicht um ein synthetisches Medikament, sondern um ein diätetisches Lebensmittel handelt, wäre ein Erfolg auf dieser Linie wahrlich eine medizinische Sensation. Auch die Vermarktung eines solchen Mittels wäre vom Erfolg gekrönt, denn Nachfrage und Bedarf sind enorm.

Experten warnen jedoch davor, den Behauptungen des Medizinstudent zu große Bedeutung beizumessen. Sie sind der Meinung, wenn Plantagrar tatsächlich solch eine Wirkung erzielen würde, dann müsste man das Präparat, obwohl alle Bestandsteile pflanzlich sind, als Medikament zulassen und auf den Markt bringen. Der Grund liegt in der Wirksamkeit des Mittels. Solche Mittel müssten als Phytotherapeutikum zugelassen werden und fallen somit in die Gruppe der Medikamente. Egal, welches Präparat, um es Menschen zu Testzwecken verabreichen dürfen, bedarf es einer besonderen Genehmigung BfArM. Um einen seriösen Vergleich machen zu können, wäre es notwendig, den Probanden auch Viagra – Kontrollgruppe – zu verabreichen. Auch hie wäre eine besondere Genehmigung einzuholen. Keine der beiden Genehmigungen wurden vom besagten Studenten beantragt. In seinem einzigen Versuch gab der Student seinen 25 – und nicht 50, wie berichtet – Probanden Plantagrar und die Kontrollgruppe – weitere 25 Probanden – erhielt ein Placebo.

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