Der Viagra-Tunnel

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Im Krieg ist alles erlaubt – so, oder so ähnlich könnte man diesen Zustand bezeichnen, der derzeit im Gaza-Streifen herrscht. Der Gaza-Streifen ist den meisten nur aus den Nachrichten bekannt. Hier herrscht Krieg, Bombenanschläge und Raketenangriffe machen beinahe tägliche Schlagzeilen in den Tageszeitungen. Ein Mangel an Nahrungsmittel, an Kleidung, am Frischwasser. Ja, fast an allem mangelt es an diesem Ort. Nur nicht an Waffen, Apotheken und vor allen Dingen an Potenzpillen. Viagra ist hier bestens bekannt. Auch in den Kreisen der strengsten Muslimen ist die Einnahme von Viagra erlaubt, sofern man verheiratet ist. Nicht nur das, auch eine Verhütung kommt durchaus in Frage. Die Apotheken werden über Israel mit völlig legalen Viagra-Pillen versorgt. Dies sind auch die, die von den Apothekern in der Regel empfohlen werden. Die Begründung liegt nahe. Nachahmerpräparate aus Westjordanland, Türkei, Palästina und sonst aus aller Welt könnten gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Bei originalen Viagra-Pillen weiß man jedoch was genau in welcher Dosierung in den kleinen, blauen Pillen steckt. Allerdings sind diese Tabletten sehr teuer. Leisten kann sich das zum einen selten einer aus der Normalbevölkerung, zweitens boomt das Geschäft mit den Nachahmerpräparaten.

Unter dem Gaza-Streifen verlief ein Tunnel, über den Waffen, Munition, aber auch andere Dinge, darunter Medikamente geschmuggelt werden konnten. Dieser Tunnel wurde vor einiger Zeit massiv bombardiert, so haben die Palästinenser einen neuen Tunnel gegraben. Der ist breiter, höher und hat einen deutlich höheren Durchmesser. Jetzt sind auch größere und höhere Kühlschränke auch kein Problem mehr. Auch die neuen Tunnel dienen dem Schmuggel. Auch jetzt werden hier Waffen, Munition, aber auch Raketen, Lebensmittel und Medikamente geschmuggelt. Der Schmuggel wird zwar nicht gern gesehen, aber ehrlich… was bleibt denn noch? Die jüdischen Siedler zogen weg, der islamistische Hamas gewinnt die Wahlen und Israel schränkt den Handel enorm ein. Es werden derzeit nur noch die allernötigsten Dinge in den Gaza-Streifen gebracht. Das reicht in der Regel kaum zum Überleben.

Allein in Gaza-Stadt gibt es rund 1.700 Apotheken. Sie sind einfach zu viele, wenn man bedenkt, dass die Einwohnerzahl gerade mal die anderthalb Millionen-Marke überschreitet. Zum Vergleich: In Deutschland versorgt eine einzige Apotheke etwa 3.600 Menschen, in Gaza-Stadt kommt eine Apotheke auf rund 900 Einwohner.

Durch den Krieg sind viele Menschen in Gaza auf Medikamente angewiesen. Antidepressiva und Viagra sind nur zwei, die am häufigsten verkauft werden. Allgemein kann man sagen, Viagra ist für Männer, die bereits etwas in die Jahre gekommen sind und mit Potenzstörungen zu kämpfen haben. In Gaza sind die meisten Abnehmer zwischen 20 und 35 Jahre alt – besser gesagt, jung. An sich ein Alter, wo ein Mann nicht unbedingt auf Potenzmittel angewiesen wäre. Auch in Gaza-Stadt braucht man ein Rezept für Viagra. Doch hier drückt man gerne das eine, oder andere Auge zu. Der Handel mit den Fälschungen boomt, die Preise der Nachahmerprodukte sind niedrig, zumindest im Vergleich zu der Originalpille. Hinzu kommt, dass Potenzprobleme hier immer noch ein Tabu-Thema sind. Diskretion wird nicht nur von den Ärzten erwartet, sondern auch von den Apothekern.

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