Vorzeitiger Samenerguss – Ursachen & kurzfristige Behandlung

Ein vorzeitiger Samenerguss (medizinisch: Ejaculatio praecox-EP) ist eine Sexualstörung. Definitionsgemäß liegt ein vorzeitiger Samenerguss dann vor, wenn der Mann innerhalb einer Minute, nachdem er mit dem Penis in die Vagina eingedrungen ist oder sexuell stimuliert wird, ejakuliert. In der Regel handelt es sich um ein neurobiologisches Phänomen – ein vorzeitiger Samenerguss ist kein rein psychologisches Problem.

Was ist ein vorzeitiger Samenerguss

Unter der sogenannten intravaginalen Latenzzeit wird das Zeitfenster vom Eindringen in die Vagina bis zur Ejakulation verstanden (“intravaginal ejaculatory latency time – kurz: IELT). Ejakuliert der Mann innerhalb einer Minute, so handelt es sich um einen vorzeitigen Samenerguss. Die intravaginale Latenzzeit wurde auch geschaffen, damit sexuelle Mythen endlich in das Reich der Märchen verabschiedet werden konnten: Der durchschnittliche Mann ejakuliert nach drei bis vier Minuten, nachdem er mit dem Penis in die Vagina eingedrungen ist. In vielen Fällen spielt ein vorzeitiger Samenerguss keine wesentliche Rolle; das Sexualleben kann so geführt werden, wie es für den Mann und die Frau befriedigend ist. Aus diesem Grund ist die Zeit nicht wichtig. Problematisch ist nur die fehlende Kontrolle über den Zeitpunkt – ein vorzeitiger Samenerguss sorgt sehr wohl für einen Leidensdruck. Natürlich kennt jeder Mann das Problem, dass er einmal “früher” kommt. Das ist normal und kein Grund zur Beunruhigung. Ein vorzeitiger Samenerguss kann auch durch mehrere Faktoren (innere Anspannung, Umgebung, die Stimmung) beeinflusst werden. Je aufregender und ungewohnter die Situation, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann zu “früh” kommt. Problematisch wird es nur dann, wenn ein vorzeitiger Samenerguss stattfindet, obwohl kaum ein sexueller Kontakt vorhanden war. Folgt man epidemiologischen Untersuchungen, so klagen rund 25 bis 30 Prozent aller Männer über die Tatsache, dass sie immer wieder einen vorzeitigen Samenerguss haben. Somit ist ein vorzeitiger Samenerguss die häufigste Sexualstörung des Mannes – auf dem zweiten Platz folgt die erektile Dysfunktion.

Die Ursachen

Mitunter ist ein organischer Auslöser verantwortlich – so kann eine Entzündung der Prostata oder der Harnröhre für einen vorzeitigen Samenerguss sorgen. In vielen Fällen gibt es aber keine organische Ursache – der vorzeitige Samenerguss lässt also nicht automatisch auf eine Krankheit schließen. Schlussendlich handelt es sich bei der Ejakulation um einen multifaktoriellen Prozess. Das bedeutet, dass die verschiedensten Zentren im Rückenmark, im peripheren Nervensystem und auch im Gehirn beteiligt sind. Jahrelang wurde ein vorzeitiger Samenerguss auf psychische Ursachen zurückgeführt. So waren die Mediziner sicher, dass ein vorzeitiger Samenerguss dann entsteht, wenn die Männer “negative Erfahrungen” gesammelt hätten. Zudem sei ein vorzeitiger Samenerguss ein Hinweis, dass der Mann zu wenig Geschlechtsverkehr habe. Ein weiterer Grund? Der Mann hat nur eine geringe sexuelle Erfahrung. Zudem sei auch die Angst ein Problem: Ein vorzeitiger Samenerguss würde also begünstigt werden, wenn der Mann Angst vor dem sexuellen Versagen, vor einer ungewollten Vaterschaft oder auch vor einer emotionalen Bindung hat; zudem kann ein vorzeitiger Samenerguss auch dann möglich sein, wenn der Mann Angst hat, dass er wieder zu “früh” kommt. Heute sind die Wissenschaftler jedoch der Ansicht, dass ein vorzeitiger Samenerguss ein neurobiologisches Phänomen ist. Ein vorzeitiger Samenerguss ist dann zu beobachten, wenn die Hirnbotenstoffe unregelmäßig sind – dieser Umstand wird durch eine veränderte Sensitivität der Rezeptoren der jeweiligen Neurotransmitter hervorgerufen. Diese Theorie wird durch die familiäre Häufung bestärkt. Auch Medikamente, die einen Einfluss auf den Haushalt der Neurotransmitter haben, sorgen oft für eine Verbesserung der Situation.

Die Diagnose

Ist ein vorzeitiger Samenerguss derart zum Problem geworden, dass der Mann einen Arzt aufsucht, so wird er zu Beginn mehrere Fragen zu seinem Sexualleben beantworten müssen. Bei heterosexuellen Männern ist vor allem das Zeitfenster von Bedeutung – wann tritt ein vorzeitiger Samenerguss ein, nachdem der Penis in die Vagina eingeführt wurde? Tritt ein vorzeitiger Samenerguss nach weniger als 60 Sekunden ein, so spricht man in diesem Zusammenhang gerne von einer psychischen Belastung, die für das Problem verantwortlich ist. Der Mediziner unterscheidet jedoch, ob es sich um eine sekundäre oder primäre Form handelt. Ein vorzeitiger Samenerguss, der erst mit der Zeit aufgetreten ist, wird als sekundäre Ejaculatio praecox beschrieben; hat der Mann schon immer das Problem, so spricht man von der primären Ejaculatio praecox. Des Weiteren können auch Laboruntersuchungen (Urin und/oder Blut) durchgeführt werden, sodass der Mediziner andere Krankheiten (wie etwa eine Entzündung der Prostata) ausschließen kann.

Wie wird ein vorzeitiger Samenerguss behandelt?

Nachdem festgestellt wurde, ob eine sekundäre oder primäre Ejaculatio praecox vorliegt, werden mit dem Betroffenen die Therapieoptionen besprochen. Bis heute gibt es nur ein zugelassenes Medikament – dabei handelt es sich um den Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Dapoxetin. Viele Studien haben ergeben, dass durch Dapoxetin eine Verlängerung der sogenannten IELT herbeigeführt werden kann. Ein vorzeitiger Samenerguss kann also verhindert werden, wenn Dapoxetin drei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Zu beachten sind aber die möglichen Nebenwirkungen: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Durchfall. Ein vorzeitiger Samenerguss darf aber nicht ohne Rücksprache mit Dapoxetin behandelt werden – nur dann, wenn der Arzt zustimmt, kann ein vorzeitiger Samenerguss mit dem Medikament behandelt werden.

Natürlich gibt es auch andere Präparate, damit ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden kann. Dazu gehören etwa PDE-5-Hemmer, Lokalanästhetika oder auch Opiate. Jedoch sind diese Präparate noch nicht zugelassen, damit ein vorzeitiger Samenerguss behandelt werden kann. Es besteht zwar die Möglichkeit einer “Off-Label Anwendung”, wobei hier keinesfalls die potentiellen Risiken oder auch Nebenwirkungen ignoriert werden sollten. Lokalanästhetika gehören zu den ältesten Präparaten, wenn ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden soll. So gibt es Sprays, Cremen und auch Gels, die Benzocain oder Lidocain enthalten und die Eichel des Mannes “betäuben”. Das Ziel? Die Empfindlichkeit wird derart manipuliert, dass ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden kann. Heute gibt es auch Präservative, die ebenfalls für eine betäubende Wirkung sorgen – an der Innenseite befindet sich ein Lokalanästhetikum, sodass es zu einer Verringerung der Erregung und des Lustempfindens kommt.

Zudem gibt es auch oral einzunehmende Präparate – PDE-5-Hemmer. Derartige Medikamente, die entweder Vardenafil, Tadalafil oder Sildenafil enthalten, sorgen für eine verstärkte Erektion und verlängern in weiterer Folge auch die Erektionsdauer. Es gibt bereits einige Studien, die von einem guten Erfolg sprechen, wenn die intravaginale Ejakulationslatenzzeit verbessert werden soll. Mögliche Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Sodbrennen, Gesichtsrötung oder auch Rückenschmerzen. Vorwiegend kommen PDE-5-Hemmer nur zum Einsatz, wenn der Mann unter einer Erektionsstörung leidet. Es muss aber keine Kombination (vorzeitiger Samenerguss und Erektionsstörung) vorliegen, damit PDE-5-Hemmer empfohlen werden dürfen.

Tipps und Tricks – so kann ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden

Soll ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden, so sind nicht immer Medikamente erforderlich. Hin und wieder hilft auch eine kurze Pause. Bemerkt der Mann, dass er kurz vor dem Orgasmus ist, so kann er den Penis zurückziehen, durchatmen und mitunter auch an andere Dinge denken – er muss sich ja nicht ständig auf seine Partnerin konzentrieren. Hat der Mann die Kontrolle erlangt, so kann der Geschlechtsverkehr fortgesetzt werden. Diese Technik kann natürlich mehrmals wiederholt werden.

Eine weitere Möglichkeit, wie ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden kann, ist die sogenannte “Kneiftechnik”. Der Mann bemerkt, dass er “kommt”? In diesem Fall muss er die Eichel leicht kneifen, sodass es zu einer verminderten Erregung kommt. Die “Kneiftechnik” sollte aber im Vorfeld ausprobiert werden (Selbstbefriedigung). Ist der Mann sicher, dass ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden konnte, kann er den Geschlechtsverkehr fortsetzen. Auch diese Technik kann mehrmals wiederholt werden. Auch Yoga kann helfen. Es gibt mehrere Techniken, sodass die Gedanken derart manipuliert werden können, sodass ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden kann.

Natürlich sollte man auch mit dem Partner über das Problem sprechen. Ein vorzeitiger Samenerguss kann Unsicherheit und Versagensängste hervorrufen; Stress sorgt in weiterer Folge für eine Verschlechterung der Situation. Ist der Mann aufgeregt, weil er Angst hat, dass er wieder zu “früh” kommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass wieder ein vorzeitiger Samenerguss stattfindet. Der Mann sollte sich auch genügend Zeit für das Vorspiel nehmen. Kann die Penetration hinausgezögert werden, so wird auch der eigene Orgasmus verzögert – ein weiterer Trick, damit ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden kann.

Nicht immer sind Medikamente notwendig, wenn ein vorzeitiger Samenerguss verhindert werden soll. Ist ein vorzeitiger Samenerguss jedoch auch durch mehrere Tipps und Tricks nicht in den Griff bekommen, ist es mitunter ratsam, wenn ein Arzt kontaktiert wird.

Ein vorzeitiger Samenerguss ist ungefährlich

Ein vorzeitiger Samenerguss ist unangenehm. Männer, die dieses Problem haben, leiden oft unter Versagensängsten und geraten in eine Stresssituation, sofern die Partnerin Geschlechtsverkehr möchte. Jedoch ist ein vorzeitiger Samenerguss – zumindest in der Regel – ungefährlich; nur selten gibt es körperliche Ursachen (Entzündung der Prostata oder Harnröhre), die für den vorzeitigen Samenerguss verantwortlich sind. Kann ein vorzeitiger Samenerguss mit ein paar Tricks und Tipps in den Griff bekommen werden, so ist kein Besuch beim Arzt erforderlich. Da ein vorzeitiger Samenerguss kein Hinweis auf eine Krankheit sein muss, kontaktieren viele Männer nur deshalb einen Mediziner, weil sie mit der Situation unzufrieden sind – ein vorzeitiger Samenerguss löst Stress aus, sorgt für Versagensängste und belastet mitunter auch die Partnerschaft.